Auch fünf Jahre nach Beschluss des Transparenzpakets ist die österreichische Parteienfinanzierung noch immer geprägt von undurchsichtigen Zahlungsflüssen zwischen Bünden, Parteien und Vorfeldorganisationen. Fälle systematischer Korruption sind nach wie vor an der Tagesordnung und die Ausgaben der öffentlichen Hand für Regierungswerbung sind unverändert hoch. Das zeigt, dass die nächste Bundesregierung hier dringend Reformen für mehr Transparenz angehen muss, um Österreich vom Parteienstaat zur Republik der Bürgerinnen und Bürger zu machen.

Ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Initiativen rund um den Politikwissenschaftler Dr. Hubert Sickinger unter Beteiligung von „Dossier.at“, das „Forum Informationsfreiheit“ und der Plattform „Meine Abgeordneten“ präsentierte am 01.09.2017 eine Evaluierung des Transparenzpakets 2012. Die Initiative kommt zum Schluss, dass die damals getroffenen Maßnahmen noch weit davon entfernt sind, echte Transparenz in die österreichische Politik zu bringen. Sie enthalten zu viele Schlupflöcher und Ausnahmeregelungen. Sanktionen für Verstöße seien entweder gar nicht vorhanden oder nicht abschreckend genug. Ich sehe unsere Forderungen nach gläsernen Parteikassen und Abschaffung des Amtsgeheimnisses bestätigt.

Als Mitbegründerin von NEOS und Landessprecherin von NEOS Wien begrüße ich sehr, dass Initiativen aus der Zivilgesellschaft hier den Finger in die Wunden der Hüter der Intransparenz legen. NEOS wird weiterhin als unabhängige und gewissenhafte Bürgerbewegung für eine saubere Politik in Österreich Tempo machen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch unbedingt die so dringende Forderung nach einem Informationsfreiheitsgesetz wiederholen. Bereits 2013 habe ich mit NEOS einen Antrag auf Abschaffung des Amtsgeheimnisses im Nationalrat eingebracht. Vier Jahre lang wurde dieser von Rot und Schwarz im Verfassungsausschuss vertagt und blockiert. Auch bei der aktuell heiß diskutierten Frage der Transparenz der Parteifinanzen kämpfe ich für eine Offenlegung der Finanzen. Diese sollte eine Selbstverständlich sein und nicht als Gnadenakt der Parteien gesehen werden. Die Parteien agieren hier abgehoben und lassen den Eindruck erwecken als wären ihnen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger nach mehr Transparenz völlig egal. Wie bei der neuen Initiative parteispenden.at des Forum Informationsfreiheit bleibt es in Österreich der engagierten Zivilgesellschaft überlassen, Licht ins Dunkel der Parteikassen zu bringen.

Die Verschleierung von Zahlungsströmen über Bünde und Vorfeldorganisationen muss endlich der Vergangenheit angehören. Wer gegen das Parteiengesetz verstößt, zum Beispiel durch Überziehung der Wahlkampfkostenobergrenze, sollte ernsthafte Sanktionen fürchten müssen. NEOS geht hier mit gutem Beispiel voran und veröffentlicht seit seiner Gründung jeden Cent an Einnahmen und Ausgaben auf  unserer Webseite. Ich bedanke mich bei dieser wunderbaren Initiative und werde mich weiterhin für mehr Transparenz und eine saubere Politik in Österreich mit voller Kraft einsetzen.

Warum das so wichtig ist? Verantwortung beginnt bei sich selbst. Die Parteien in Österreich tun so, als gehöre Ihnen die Demokratie, als gehöre Ihnen der Staat. Politik sollte den Bürgern verantwortlich sein und nicht sich selbst. Das gilt für die Parteienfinanzierung genauso wie der Umgang mit unserem Steuergeld. Nur wenn der Selbstbedienungsladen Parteipolitik gestoppt wird, haben wir eine Chance darauf, die Steuern zu senken. Was es dazu braucht: SPÖ und ÖVP müssen abgewählt werden.

Tag für Tag werden wir durch die Medien mit neuen Botschaften, mit neuen Schlagzeilen zu gepflastert. Darauf entsteht – so wie gestern nach der Forderung zur Schließung von Kindergärten in Wien – Aufregung in der polit-medialen Welt. Das Schlagwort Populismus ist schnell hervorgekramt und schnell diskutiert man darüber, wer die Botschaft wie abgesetzt hat und nicht darüber, ob diese Botschaft tatsächlich umsetzbar ist. Lassen wir mal den Vorwurf des Populismus beiseite und versuchen herunter zu deklinieren, warum eine Politik, die NUR auf Schlagzeile und Applaus aus ist, keine positiven Fortschritte und echte Lösungen bringen wird.

Sebastian Kurz fordert die Schließung von Islamkindergärten in Wien. Dafür erntet er großen Applaus. In der Tat wissen wir längst, dass wir in Wien echte Probleme bei der Qualität der Kindergärten haben. Ich würde dringend raten, diese Probleme aber nicht nur im Bereich muslimischer Kindergruppen zu suchen. Diese Qualitätsprobleme sind besonders dort dramatisch, wo es sich um Kinder aus bestimmten Milieus handelt – also Kinder von Eltern, die selbst wenig Bildung haben, die wenig verdienen und auch noch eine andere Umgangssprache als Deutsch sprechen. Wer nicht erkennt, dass wir in Wien gerade im Bildungsbereich gravierende Probleme in diesen Milieus haben, der verschließt die Augen vor der Realität.

Wir NEOS haben hier am Dienstag als einen Punkt eines umfassenden 5-Punkte Plans die Erhöhung der Qualitätskriterien für diese Problemkindergärten gefordert. Dabei geht es uns aber darum, genau den oben genannten Kindern bessere Chancen im Leben zu ermöglichen. Durch bessere Integration und vor allem durch bessere Deutschkenntnisse.  Wir sind ebenso der Meinung, dass die Kindergärten oder -gruppen, die die entsprechende Qualität nicht bieten, keine Förderung mehr bekommen sollen. Qualität betrifft zum einen die Betreuungssituation, zum anderen mit Sicherheit auch die Deutsch-Sprachkompetenzen der Pädagoginnen. Aber was ist dann? Ich muss ab hier weiter denken. Hilft es uns, wenn Mohammed mit vier Jahren statt in einem Kindergarten zu Hause von der Mutter betreut wird, die nicht Deutsch spricht. Nein!

Deswegen haben wir vorgeschlagen, ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr einzuführen für die, die es brauchen. Zum Beispiel, weil sie mit vier Jahren noch nicht annähernd ausreichend Deutsch sprechen und auch sonst aufgrund ihrer Herkunft gefährdet sind, im Bildungssystem zu scheitern. Kann ich differenzieren zwischen den Diplomatenkindern im englischsprachigen Elitekindergarten und türkischen Kindergruppen in Favoriten? Ich muss sogar! Ausgangspunkt ist immer das Kind und seine Chancen, im Leben weiter zu kommen. Wenn diese Chancen am Start nicht da sind, so müssen wir als Gesellschaft alles tun, um sie so weit es geht zu ermöglichen. Das sind wir den Kindern schuldig, das sind wir der Gesellschaft schuldig, deren Zusammenhalt auf dem Spiel steht und das sind wir der Wirtschaft schuldig, die händeringend nach Fachkräften sucht.

Dieses zweite verpflichtende Kindergartenjahr soll nach unserem Vorschlag nur in bestimmten Kindergärten absolviert werden dürfen, die entsprechend höhere Qualitätskriterien erfüllen. Deutsch an erster Stelle, aber auch ein radikal verbesserter Betreuungsschlüssel mit maximal 12 Kindern je Gruppe. Wie wir das machen? Durch eine nach Bedürfnissen orientierte Finanzierung. Genau das, was wir uns auch im Schulbereich wünschen. Die Kindergärten und die Schulen, in denen ein höherer Anteil an Kindern ist, die das Risiko haben zu scheitern, brauchen mehr Geld. Wir nennen das den Chancenkindergarten. Den finanziellen Bonus gibt es dort nur, wenn ein bestimmter Anteil erreicht ist. Ein Anreiz auch für die Einrichtungen für bessere Durchmischung zu sorgen.

Letztlich braucht es auch eine lückenlose Qualitätskontrolle. Das ist das Wesentliche und darauf muss gerade auch die Stadt Wien bei den Kontrollen das Augenmerk legen und nicht darauf, ob ein Klavier in einer Kindergruppe stehen darf oder nicht.

Leider haben wir zu all den Vorschlägen von Sebastian Kurz wenig gehört. Dass hier nicht nur die Stadtregierung gefordert ist (und ja, das ist sie!) sondern auch die im ewigen Zank und Stillstand verharrende Bundesregierung ist klar. Wo ist der bundeseinheitliche Qualitätsrahmen für Kindergärten? Wo ein entschlossener Schritt in Sachen Kindergarten bei der Bildungsreform? Kindergärten kommen in den Bildungsdiskussionen nicht einmal vor, dabei können viele Volksschullehrerinnen und –lehrer seit Jahren ein Lied davon singen, wie das ist, wenn Kinder in die Volksschule kommen und sich weder selbstständig anziehen können noch gut genug Deutsch sprechen um dem Unterricht zu folgen.

Und wo ist der entschlossene und engagierte Integrationsplan des Integrationsministers gerade auch im Schul- und Kindergartenbereich? Es stößt schon mehr als sauer auf, wenn der ehemalige Flüchtlingskoordinator Ferry Maier nun öffentlich davon spricht, dass er mehrfach der Bundesregierung angeboten habe, eine Plattform für bessere Integration bestehend aus Gemeinden, NGOs, Politik und Wirtschaft ins Leben zu rufen um akkordierter und effektiver Integration voranzutreiben. Dafür habe die politische Unterstützung gefehlt. Von wem denn? Von dem oder denen, die möglicherweise gar kein Interesse daran haben, echte Lösungen zu bringen, weil es besser ist, ein Problem am Köcheln zu lassen um Stimmen zu maximieren und so die Macht zu erhalten, um weiter ihre Klientele und Pfründe zu bewahren? Das wäre nicht nur zynisch sondern ein klarer Machtmissbrauch und definitiv nicht zum Wohle des Volkes, dem man sich als Politiker verpflichtet fühlen sollte.

Sebastian Kurz hat richtig erkannt, dass es nicht angeht, dass die öffentliche Hand Kindergärten fördert, die weder Integration, noch Bildung, noch Chancen ermöglichen. Dass SPÖ und Grüne in Wien hier wegschauen ist ein Skandal. Aber wie geht es weiter? Jemand, der Bundeskanzler werden möchte, muss auch sagen, welche Schritte er im Bildungsbereich setzen würde, um den Kindern echte Chancen zu ermöglichen. Darüber müssen wir reden und darüber würde ich gerne mehr von ihm lesen.

Ansonsten gilt: Es gibt ihn also, den Unterschied zwischen echten Lösungen und einer Schlagzeile. Diesen Unterschied möchte ich Klavier spielen können.

 

Foto: CC BY-SA 2.0 – Lucélia Ribeiro

Die Stadt Wien und ihre verbundenen Unternehmen schalten jährlich Inserate in Zeitungen um rund 50 Millionen Euro. Der Wert schwankt, geht möglicherweise zurück, transparent nachvollziehbar ist er nicht. Denn es gibt eine Bagatellgrenze unterhalb der die Ausgaben nicht gemeldet werden müssen. Die genaue Zahl zu eruieren ist auch für die Opposition unmöglich, die klare Beantwortung wird von Seiten der zuständigen Stelle schlicht verweigert. So weit zum Demokratieverständnis der Wiener Stadtregierung, das sich auch nicht unter Grüner Regierungsbeteiligung geändert hat.

Auf Bundesebene schalteten die Ministerien 2016 Inserate um rund 27 Millionen Euro.  Die öffentlichen Stellen geben damit nahezu gleichviel Steuergeld für Inserate aus wie die Ministerien im zehnmal größeren Deutschland

Eigentlich sollte es in Inseraten der öffentlichen Hand ja darum gehen, die Öffentlichkeit über wichtige Anliegen, wesentliche Bürgerrechte oder Neuerungen in der Verwaltung zu informieren (etwa: „Wann beginnt die Schuleinschreibung?“ oder von mir aus sogar „Wo liegt der nächste Mistplatz?“). Jedenfalls darf der Zweck niemals sein sich als Politiker_in selbst via Steuergeldinserat zu inszenieren. Und schon gar nicht sollte in einer Demokratie von der Politik der Versuch unternommen werden, sich öffentliche Meinung zu erkaufen. Oder sich zumindest schlechte Publicity vom Hals zu halten.

Ich weiß um die Missstände, die es in Wiens Schulen gibt, sie sind leidlich bekannt: Da gibt es trotz gegenteiliger Wahlversprechen immer noch nur eine Handvoll Sozialarbeiter_innen für ganz Wien, zu große Klassen, zu wenig Angebot für qualitativ hochwertige Nachmittagsbetreuung… Man stelle sich vor, die Stadt würde die 50 Millionen Euro statt in Eigenwerbung per Inserat in unsere Schulen stecken! Dass das nicht einmal im Ansatz passiert, macht mich unglaublich wütend. Und die Inserate sind nur die Spitze eines Bergs an Steuermillionen, die für Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben wird. „Mein Wien ist Wau!“ plakatiert derzeit zum Beispiel die Stadt in City Lights der Stadt. Ein nettes Kind, ein netter Hund, alles in Butter, oder? Wir lullen euch ein, bis ihr das Kreuzerl wieder an der richtigen Stelle macht. Gleichzeitig verschaffen wir befreundeten Agenturen lukrative Aufträge oder füttern ein paar Unternehmen, die SPÖ-nahe sind wie die Gewista.

Jetzt ist es ausgerechnet die Sektion 8 der SPÖ Wien, die gegen die Inserate mobil macht. Aber nur gegen jene, die an den Boulevard gehen. Geht es nach der Sektion 8, so sollen Heute, Österreich und die Kronen Zeitung nicht mehr so viel vom Steuerkuchen der Inserateküche abbekommen. Zumindest dann nicht, wenn sie wiederholt gegen den Ehrenkodex des Presserats verstoßen.

Nun ist das so eine Sache mit den Inseraten. Denn wie eingangs erwähnt, dienen sie EIGENTLICH der Information. Das heißt, die EIGENTLICH ENTSCHEIDENDE Frage ist die der Reichweite des betreffenden Mediums: Denn als öffentliche Stelle muss es mein vorrangiges Ziel sein, dass die Information, die per Inserat geschalten wird, auch möglichst viele Menschen erreicht. Ergo ist das Schalten dieser Information in reichweitenstarken Medien am effizientesten. Und das ist wiederum im Interesse der Steuerzahler. Eigentlich. Bleiben wir bei dem „Eigentlich“ als Gedankenspiel. Der Sektion 8 passt der Inhalt der Medien Heute, Österreich und Krone nicht. Das gibt sie unumwunden zu: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1535071643179381&substory_index=0&id=197290196957539

Deshalb gehören die Inserate gekürzt. #KeinGeldfuerHetze heißt es da bei der Sektion 8. Was Hetze ist, bestimmt die Parteisektion. Bei so einem Demokratieverständnis wird mir angst und bange. Denn die Botschaft ist klar: „Liebe Mutterpartei SPÖ Wien: Die Inserate nutzen nichts, die schreiben trotzdem negativ über uns. Bitte inseriert nicht mehr dort.“

Wer mangelnde Qualität im Journalismus beklagt, sollte die Medienförderung an qualitativen Inhalt und Journalistenausbildung knüpfen. Wer Gratisboxen in der U-Bahn für Heute und außerhalb der U-Bahn für Österreich nicht will, soll Lösungen bieten für alle Gratiszeitungen an ein und demselben Ort. Fairer Wettbewerb heißt das Stichwort. Biber und Co. wären da doch auch gut aufgehoben. Wer die Anfütterung von Medien mit Millionen an Steuergeld für Inserate nicht will, soll die Ausgaben kürzen, deckeln und zentral von einer Stelle vergeben lassen, wie NEOS das vorschlägt. Wer aber glaubt, dass Inserate EIGENTLICH der Information dienen, soll sich nach Reichweite und Zielgruppengenauigkeit umsehen und nicht „böse Inhalte“ bestrafen. Wer Medienmündigkeit möchte, der soll in Bildung investieren und endlich Medienkompetenz an unseren Schulen vermitteln lassen.

Und wer Pluralismus in der Medienlandschaft nicht aushält, der soll sich fragen, ob er sich in Trumps Amerika nicht doch wohler fühlt.

NEOS will die GIS abdrehen. Schon über 135.000 Menschen haben sich dem Wunsch angeschlossen. Armin Wolf ist dagegen. So weit so überschaubar die Faktenlage. Die ORF-Redakteure haben nun ihrerseits einen Vorschlag zur Reform der GIS vorgelegt, wobei „Reform“ hier der falsche Begriff ist: Der Redakteursausschuss spricht sich für eine automatische Inflationsanpassung der GIS alle zwei Jahre aus.

Gesetzliche Valorisierungen gibt es beispielsweise auch bei den Gebühren in Wien für Wasser, Kanal, Müll und Parkometerabgaben. Und natürlich auch für die Parteienförderung. Diese gesetzliche Preistreiberei (schließlich heizen automatische Valorisierungen die Inflation an) ist kommod für die Institutionen, die davon profitieren. Im Gegensatz zu Preisbildungen am Markt muss man kein Gleichgewicht dabei finden und im Gegensatz zu beispielsweise Kultureinrichtungen, die keine jährliche Valorisierung der Förderungen erhalten, sind diese Institutionen dann auch nicht gezwungen, effizienzsteigernde Maßnahmen zu setzen oder besser zu wirtschaften.

Dass man so den ORF vom parteipolitischen Gezerre befreien könne, ist ein Wunschdenken und wohl eher ein populistisch vorgeschobenes Argument.

Will man den parteipolitischen Machtpoker um den ORF wirksam unterbinden, muss man zuerst eine Gremienreform machen. NEOS hat hierzu Vorschläge präsentiert und diese Forderung ist auch ein wesentlicher Teil unserer Unterschriftenaktion http://gisabdrehen.at. Von anderen Seiten vermisse ich Vorschläge.

Die beiden anderen wesentlichen Punkte unserer Forderung sind es, einen ORF, der sich auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag – also das Gemeinwohl konzentriert – auch auf neue, zukunftsfitte finanzielle Beine zu stellen.

Und ja, die Frage ist legitim: Warum sollte eine Steuerfinanzierung besser als eine Gebühr über die GIS sein und schafft das nicht noch mehr parteipolitisches Gezerre rund um den ORF?

Prima facie ja, denn das Budget beschließt der Nationalrat und da drin sitzen Parteien. Auf den zweiten Blick muss man aber anführen, dass die parteipolitische Einflussnahme jetzt in einem ungehörigen Ausmaß über die Gremien passiert (weshalb wie auch oben beschrieben eine Gremienreform weit wichtiger ist). Zudem gäbe es Lösungen auch für eine Budgetfinanzierung, die das jährliche Gezerre reduzieren würden, etwa über einen Fonds.

Das Problem der GIS? Sie ist nicht treffsicher und nicht „zukunftsfit“.

Ich selbst bin das beste Beispiel. Seit der Umstellung auf DVBT-2 (simpli TV) kann ich kein TV mehr empfangen. Mein Fernseher bleibt schwarz, nicht einmal bezüglich der GIS spricht er zu mir (ich zahl sie ja aber auch). Freilich kann ich in der tvthek die ZIB 2 streamen oder nachschauen. Mein Fernseher bleibt aber schwarz. Aber: Für das Schauen von ORF Content über mein Notebook fällt laut ORF Gesetz keine GIS an. Für den schwarzen Fernseher schon. Der ist nämlich eine Rundfunksempfangseinrichtung. Mein Notebook nicht.

Jetzt schließen wir mal alle die Augen und stellen uns die Fernsehwelt der Zukunft vor (die, in der meine Kinder mit on demand aufwachsen und schon mit 2 Jahren das Bild, das sich am Fernsehgerät zeigt, weg wischen wollen, weil sie lieber Peppa Wutz über Netflix schauen als die Live-Übertragung der Nationalratssitzungen über ORF III). Wie soll da eine GIS zukunftsfit oder gar treffsicher sein?

Und nun einmal noch erneut zum Vorwurf einzelner ORF Redakteure, NEOS wolle den ORF „zerschlagen“. Nein, wollen wir nicht, ganz im Gegenteil. „Die Stärkung der öffentlich-rechtlichen Sender in ganz Europa“ sei „wesentlich für das Überleben von Qualitätsjournalismus und damit für eine Stärkung der Demokratie“, hielt der Redakteursausschuss abschließend fest. Das können wir (unter Einbeziehung und Wertschätzung der zum Teil ausgezeichneten Information von privaten Sendern) unterschreiben. Dazu muss sich aber der ORF auf das konzentrieren, was seine Kern-Aufgabe ist. Nämlich das Programm zu liefern, das nicht bloß Unterhaltung ist und auch locker von Privaten gemacht werden kann. Sondern auf den Bildungsauftrag und auf unabhängige Information. Dazu braucht es weniger Parteieneinfluss im ORF und eine Orientierung an einem gesellschaftlichen Mehrwert. Und eine zeitgemäße Form der Finanzierung.

Das Projekt am Areal Heumarkt/Intercontinental lässt die emotionalen Wogen hochgehen. Und das nicht erst seit heute. Am Tisch liegt nun ein Kompromissentwurf seitens des Investors, der auch die Zustimmung der Stadtpolitik findet. Eislaufverein und Konzerthaus sind zufrieden mit dem Entwurf und auch der Fachbeirat für Stadtgestaltung hat am Tag nach der Präsentation – angesichts der relativ marginalen Änderungen ebenso überraschend wie die völlig unerwartete Ablehnung des ersten Entwurfs – seine Zustimmung zum Projekt gegeben.

Nicht so aber die UNESCO, die umgehend damit droht, dass Wien den Status des Weltkulturerbe verlieren würde, wenn das Projekt wie geplant realisiert wird. Das Entgegenkommen ist ihr nicht genug. Auch diese Drohung ist nicht neu und hat im vergangenen Jahr zu einer Redimensionierung des Projekts geführt. So weit, so verfahren die Situation, die auf einen Showdown hinausläuft.

Der Kardinalfehler war von Anfang an, dass die Stadtregierung in Wien bei Stadtplanung und -gestaltung keine verbindlichen Spielregeln festlegt. Klarerweise braucht es einen ausreichend flexiblen Rahmen, aber klare Rahmenbedingungen festzulegen, zum Beispiel über die Frage wo ein Hochhausbau zulässig ist und wo nicht, wäre essentiell. Das wäre auch der beste Investorenschutz, denn private Investoren brauchen in Wien vor allem eines: Rechtssicherheit. Im Hochhauskonzept von Hubert Potyka von 1972 war das viel klarer – heute bleibt man – wie im aktuellen „Fachkonzept Hochhäuser“ – lieber so unverbindlich wie möglich. Das gilt übrigens auch für die städtischen Verfahren der Bürgerbeteiligung, wie sie demnächst im Masterplan Partizipation in aller Unverbindlichkeit publiziert werden.

Gibt es diese klaren Rahmenbedingungen nicht, so wird zwangsläufig jedes Projekt zum Spielball des politischen Gezerres. So wie auch im Fall Heumarkt. Und das ist einzig und allein die Schuld der Stadtregierung.

NEOS steht dem Projekt, ohne auf Geschmacksfragen einzugehen, grundsätzlich positiv gegenüber: es schafft einen Mehrwert für viele Wienerinnen und Wiener. Nicht bloß, dass ein derzeit recht unansehnliches Areal zwischen Stadtpark und Konzerthaus aufgewertet wird, ist auch die Erhaltung des Eislaufvereins für die Wienerinnen und Wiener ein Gewinn. Auch das kooperative Verfahren unter Einbindung vieler stakeholder ist positiv hervorzuheben.

Dennoch kann die Politik den potentiellen Verlust des Weltkulturerbes nicht einfach achselzuckend zur Kenntnis nehmen.

Man kann zu Recht sagen, dass es einer lebendigen Stadtplanung abträglich ist, dass die gesamte Wiener Innenstadt unter eine Käseglocke gestellt wird. Aber all diese Argumente und genau diese Diskussion muss man führen. Sachlich, offen und mit den Wienerinnen und Wienern.

Aber die Politik darf sich nicht stillschweigend, ohne Diskurs und quasi im Vorübergehen als Nebeneffekt vom Bekenntnis zur Wiener Innenstadt als Weltkulturerbe verabschieden. 2001 noch hat Bürgermeister Michael Häupl den Status des Weltkulturerbes als Meilenstein bezeichnet. „Damit wird der Bedeutung Wiens als Kultur-Welthauptstadt in herausragender Art und Weise Rechnung getragen“, hieß es in einer Aussendung des Bürgermeisters.

Die Diskussionen der letzten Tage in diversen Foren zeigen, dass die Frage des Weltkulturerbes ein hochemotionales ist. Darüber muss man offen reden und letztlich auch die Bürgerinnen und Bürger entscheiden lassen. Es kann nicht reichen, den Tourismusdirektor vorzuschicken und erklären zu lassen, für den Tourismus wäre der Welterbestatus nicht wichtig.

Aus diesem Grund haben wir heute einen Antrag eingebracht, dass im Fall einer drohenden Aberkennung des Weltkulturerbestatus über das Projekt eine Volksabstimmung abgehalten werden soll. Der Antrag wurde mit den Stimmen von SPÖ und Grünen abgelehnt.

Wir NEOS wünschen uns eine sachliche Diskussion und ehrliche Information. Und ja, man kann auch einem Projekt positiv gegenüberstehen und trotzdem die Bürger einbinden. Oder noch deutlicher formuliert: gerade wenn ich von einem Projekt überzeugt bin, muss ich mich doch nicht davor fürchten, die Bürger zu befragen. Auch andere Großprojekte wurden in Wien den Bürgern in einem Referendum vorgelegt, manchmal, wie beim Kraftwerk Freudenau, konnte man sich der Zustimmung im Vorfeld nicht sicher sein. Aber es war ein sinnvolles Projekt, und daher stimmten ihm die Wiener zu.

Das ist auch der einzige Weg um Agitationen von denen, die stets auf jeden Protestzug aufhüpfen, mit Sachlichkeit zu umarmen. Haben wir den Mut, die Wienerinnen und Wiener über die Frage des Weltkulturerbes entscheiden zu lassen und schaffen wir transparente Rahmenbedingungen in Wien, die echte Rechtssicherheit für Investoren bedeuten!

 

Es rumort gewaltig im Wiener Gesundheitssystem. Was ist da los?

Angefangen sei beim Geld – das fehlt aufgrund der Wiener Schuldenpolitik an allen Ecken und Enden. Und jetzt will auch der Bund nicht mehr zahlen, weswegen Einsparungen unausweichlich sind. Dazu hat man viel zu lange den Kopf in Sand gesteckt. Änderungen bei der Ärztearbeitszeit waren seit mehr als einem Jahrzehnt absehbar. Dennoch konnte man den Eindruck gewinnen, diese Änderungen samt den finanziellen und personellen Auswirkungen hätte die Politik kalt erwischt. Das Spitalskonzept wird zum Teil gegen den fachlichen Rat der Ärztinnen und Ärzte und gegen Protest der Wienerinnen und Wiener, die Sorge haben, dass es keine wohnortnahe Versorgung mehr geben wird, durchgezogen. Den Turbo in der Krise der Wiener Gesundheitsversorgung zündet das KH Nord, das deutlich später und um Eckhäuser teurer als geplant hoffentlich irgendwann eröffnen wird. Derzeit wird es vom Rechnungshof geprüft und Insider erwarten sich einen vernichtenden Bericht. Der Vertrauensverlust bei Ärzten und Pflegepersonal ist enorm und auch die Patientinnen und Patienten machen immer öfters selbst die Erfahrung, dass die Gesundheitsversorgung schlechter wird.

Nun ist also Michael Häupl vor einigen Tagen an die Öffentlichkeit gegangen mit Gedankenspielen zur Ausgliederung des KAV. Der Krankenanstaltenverbund ist derzeit eine Unternehmung der Stadt Wien, eine Art gepimpte Magistratsabteilung. Der Zeitpunkt für solche Gedankenspiele ist klug gewählt. Häupl muss einerseits von Rekordschulden und der intensiven SPÖ-internen Personaldiskussion ablenken, andererseits passt es vielleicht auch jetzt ganz gut, den KAV der Kontrolle durch die Opposition zu entziehen.

Grundsätzlich ist die Idee einer Ausgliederung richtig und die anderen Bundesländer sind diesen Weg auch schon gegangen. In der derzeitigen Struktur ist der KAV nicht Fisch und nicht Fleisch. Eine klarere Trennung und Neustrukturierung würde auch finanziell gesehen positive Auswirkungen haben, solange man die Potentiale auch nutzt.

Dagegen spricht aber auch viel: Zunächst die Wiener Politkultur der SPÖ. Ausgliedern heißt bei der SPÖ nichts anderes als die vorhandenen Kontrollrechte abzudrehen und den privatwirtschaftlichen Mantel zu benutzen um weiterhin Freunderlwirtschaft betreiben zu können. Demokratie braucht Kontrolle, nur nicht im roten Wien! Die Wien Holding steht zwar zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt und gehört damit dem Steuerzahler, reinschauen darf aber niemand anderer als die SPÖ – damit verkommt sie zur Spielwiese der SPÖ. Nur wenn der Rechnungshof anrückt und die hohen Gehälter, die aufgeblasenen Strukturen und die schwache Wirtschaftsleistung anprangert herrscht für kurze Zeit Aufregung, danach geht alles seinen gewohnten Gang. So wie es sich die SPÖ auch für den KAV erhofft.

Da drängt sich die Frage auf: Wie stehen eigentlich die Grünen dazu? Früher ist man einmal angetreten für mehr Transparenz und Kontrolle. In Wien ist seit der Regierungsbeteiligung im Jahr 2010 davon nichts übriggeblieben. Dem SPÖ Juniorpartner ist in der Regierung der Mut abhanden gekommen. Ein Schelm der denkt, dass kaum an der Macht dem grünen Empfinden für Transparenz und Kontrolle genüge getan ist, wenn man nur selbst alle Informationen bekommt – die Öffentlichkeit und die Kontrollrechte der Opposition sind zweitrangig.

In diesem Bewusstsein kann man die Frage, ob eine Ausgliederung zum jetzigen Zeitpunkt Sinn macht ganz klar mit Nein beantworten. Den Plan, den gibt es nicht, ist nur ein Idee wie eine Feder im Wind. Die Manager(=Umsetzer) Wehsely und Janßen stehen schwer in der Kritik. Das Wiener Gesundheitssystem kracht an allen Ecken und Enden. Zwischen Wiener Ärztekammer und KAV gibt es bestenfalls einen Waffenstillstand, während der Sparzwang das Pflege- und Ärztepersonal ins Burn-Out, die Patentinnen und Patienten ins Wartezimmer oder in die teure Privatordination treibt. Das KH Nord-Debakel rückt unausweichlich näher, eine Lösung ist weit und breit nicht in Sicht.

Und in dieser Situation muss man ehrlich und offen sagen: Eine Ausgliederung bringt weder den Patienten, noch dem Pflegepersonal oder den Ärztinnen und Ärzten etwas.

Wir brauchen dringend neue Köpfe und neue Ideen für Wien. Eine Wiener Gesundheitsreform mag eine große Herausforderung sein, die Spitäler aber raus aus der Kontrolle und damit aus der Kritik zu bekommen, ist ein kurzsichtiges Konzept. Der Vergleich macht sicher: viele europäische Länder stehen vor ähnlichen Problemen – im Unterschied zu Wien stellt sich die öffentliche Hand den Aufgaben und versteht sich als mehr als ein Spitalserhalter. Was braucht es dazu? Mut und den Willen die Dinge zu verändern – Wien geht anders!

Nervenschwäche?

Wenn ich den seelischen Zustand der Menschen weiter Teile meines Echoraums in den letzten Tagen in den sozialen Medien psychopathologisch beschreiben müsste, wäre es „Nervenschwäche“. Der Zustand geistiger Erschöpfung mit pathologischen Symptomen. Ermüdung, Mattigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Melancholie, Angstzustände, Lustlosigkeit.

Dieser Zustand trifft jedenfalls aber nicht auf die Märkte zu. Hier dominiert durchwegs Gelassenheit. Das ist kein Kunststück, denn die Märkte sind die Summe aller Erwartungen und der Gegenpol zur Nervenschwäche ist der Taumel.

Wir wollen euch auf den Knien sehen!
Die Taumelnden erwarten nun viel. Endlich, endlich werden wir die, die uns alles eingebrockt haben auf den Knien sehen. Fragt sich nur: wer muss da knien?

Eliten, Wall Street, Konzerne, Banken, p.c.-Dschihadisten oder nur Dschihadisten, politisches Establishment? Ganz egal, Streubomben. Wird schon die richtigen treffen. Wird es nicht. Aber man hat endlich mal sagen können, was man sich denkt.

Rauslassen, was einen wütend macht.
Ok, fangen wir mal gleich an:
Facebook und Co inklusive Boulevardmedien sind gefährliche Echokammern, die einem immer wieder in einer Intensität und Geschwindigkeit die eigene Meinung bestätigen. Sie sind entmündigend und verhetzend. Das Hauptproblem eines Österreichers ist nicht die Islamisierung des Landes sondern wohl die Angst vor dem sozialen Abstieg.

Demokratien leben von Zweifel. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Im Zweifel kann ich auch abwählen. Und facebook so: „Du wirst nie wieder zweifeln müssen“. Make yourself great again.

Auf der anderen Seite stehen etablierte Medien, viele staatlich alimentiert, die Meinungsmainstream betreiben und über andere Ansichten scharf richten. Armin Wolf ist ein guter Journalist, aber auf twitter spielt er Nero: Daumen runter, Daumen hoch.

Revolutionen werden heute mit den Mitteln der Demokratie geführt. Der Mob zieht durch die sozialen Medien, die Mistgabeln der heutigen Zeit sind Wahlzettel, die Guillotine ein facebook Posting. Hoffentlich bleibt es dabei das reicht als Ventil.

Und ganz mitten drin ruft der Geist, der das alles ermöglicht hat und den manche dennoch auf den Knien sehen wollen: „Halt! Stopp! Vernunft ist unser Leitprinzip! Demokratie und Rechtsstaat unsere Errungenschaften! Für freie Meinungsäußerung, Demokratisierung der Medien, Freiheit, fairer Wettbewerb und Fortschrittsglaube hab ich gekämpft!“. Lügen und Demagogie hingegen waren nicht ausgemacht. Ein nervenschwacher Geist, der noch in der Schocksekunde haucht: „Jetzt geht es um was!“

Und zwar um Mut und Einsatz. Im Kampf für unsere Grundwerte: Vernunft, Aufrichtigkeit, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Noch nie war es so wichtig sich politisch zu engagieren. Ja, auch wir haben die Nase voll von der ganz großen Lüge der Politik, die da heißt „Macht euch keine Sorgen, wir kümmern uns um alles.“ Nein, tut ihr nicht und ihr könnt es auch nicht. Es braucht mehr Eigenverantwortung und mehr Einsatz jedes einzelnen, es braucht mehr Fairness nicht nur in politischen Auseinandersetzungen, nein auch in der Wirtschaft und im Wettbewerb. Es braucht weniger Echokammern und mehr Meinungsfreiheit. Es braucht mehr selbstbewusste Werte und weniger affektgeladene „Likes“. Und es braucht mehr Mut und Einsatz. Zum Beispiel hier: http://ichtuwas.neos.eu/start

Ja, es geht wirklich um was.

 

Heute sind EU Abgeordnete aus allen Fraktionen des Wiener Gemeinderats und Landtags zu Gast im Wiener Gemeinderat. Ich freue mich, nach langer Zeit wieder einmal gemeinsam mit Angelika Mlinar im gleichen Haus über das Thema Europa in der Öffentlichkeit zu sprechen.

Es ist mir eine echte Herzensangelegenheit über Europa zu sprechen. Über unser gemeinsames Europa. Über unsere EU.

Warum? Ich bin gebürtige Wienerin und habe erlebt, dass meine Heimatstadt vom Rande Europas ins Herzen des politisch vereinten Kontinents katapultiert wurde. Die Welt war für mich in meiner Kindheit in Hainburg oder Heidenreichstein zu Ende. Der Fall der Berliner Mauer war eines der emotionalsten und prägendsten Ereignisse. Frieden, Freiheit und Chancen: das vereinte Europa hat mir als jungem Menschen vieles versprochen. Und auch gehalten.

Ich kann mich noch an die Diskussionen rund um den EU Beitritt erinnern. Blutschokolade und Schildläuse im Joghurt. Die Anti-EU FPÖ Kampagne von Jörg Haider. Damals sollte wohl ein Grausen in all unseren Gehirnen verankert werden. Ein Brainwash. Denkst Du an die EU, dann denke an Blutklumpen in der Schokolade.

An was denken Sie denn bei Chlorhühnern? Grausliche Bilder kommen da in den Kopf, oder? C H L O R H U H N – Das klingt nach blasser Haut und man schmeckt und riecht das Chlor förmlich. Gesund ist das sicher nicht. Wir werden das dann am Teller haben – ob wir wollen oder nicht.

Wo liegt da eigentlich der Unterschied zu 1994? Wo liegt der Unterschied zwischen der Mechanik der Angstmacherei der FPÖ und der der Grünen? Ich kann keinen großen erkennen. Aber es werden wohl dereinst die Grünen erklären müssen, wieso Sie sich so wohl fühlen in dieser unheiligen Allianz der Vereinfacher, der Angstmacher, der Protektionisten und Nationalisten. Und wieso sie eigentlich damit ganz aktiv dazu beitragen, dass die Ablehnung der EU immer größer wird und Nationalisten mit einem ÖXIT liebäugeln. Die Grünen stellen sich zwar dagegen, befeuern die Anti-EU-Stimmung aber im gleichen Atemzug.

Michel Reimon etwa, der grüne EU-Abgeordneter, wirbt gerade exzessiv auf facebook. Täglich sehe ich seine Werbung in meiner Timeline. Die Frequenz wird nur noch getoppt von Gernot Blümel. (Gefühlt buttert die Wiener ÖVP aus hoffentlich transparenten und offen gelegten Quellen zigtausende Euro in die Bewerbung des nicht-amtsführenden Stadtrats). Reimon wirbt mit dem Slogan: „Zuerst stoppen wir CETA, dann TTIP“. Ich möchte ihm eine Slogan-Erweiterung ans Herz legen: „Und so stoppen wir Wachstum, Chancen und Jobs“.

Es ist schon eine eigenartige Spielart des Biedermeier zu glauben, dass nur wenn ich die blau-grünen Augen schließe, der Horrorclown der Globalisierung verschwinde. Einigeln, „Cocooning“ und sich abzuschotten ist definitiv die falsche Lösung. Möglicherweise ist die Anti-Globalaisierungshaltung vor allem bei den Grünen aber auch nicht mehr als eine Lifestyle-Attitüde, so wie Chai-Latte und Flaniermeilen. Unsere NEOS Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon sagte jüngst in einer Rede im Nationalrat treffend: „Wer ohne Freihandel sein will, werfe als erster sein IPhone“. Sich dem antikapitalistischen Meinungsmainstream zu unterwerfen und dabei facebook, twitter und Apple Produkte zu nutzen ist eigentlich noch schlimmer als eine ehrliche Angst vor Globalisierung wie es dem Hackler in den sterbenden Industriegebieten in Mittelengland oder der Obersteiermark zugestanden werden muss.

Die Globalisierung muss gestaltet werden. Genau das soll ein CETA Abkommen mit Kanada bringen.

Wir brauchen dringend Innovation und Arbeitsplätze in Europa. Wir werden es uns nicht leisten können, zu einem kontinentalen Sozialprogramm samt Freilichtmuseum zu verkommen. Innovationen – im Bildungsbereich und in manchen Herausforderungsbereichen wie etwa einer immer älter werdenden Gesellschaft sinnvoll auch anzustoßen von der öffentlichen Hand – aber vor allem durch optimistische Investitionen von Unternehmen sind der Schlüssel zu neuem Know-How und zu neuer Produktion. Chancen liegen dann gerade auch in den Absatzmärkten wie Kanada oder den USA. Hierin liegen die Arbeitsplätze der Zukunft und der Wohlstand der nächsten Generationen.

Vor genau einem Jahr hat NEOS den Sprung in den Wiener Gemeinderat klar geschafft und ist gleichzeitig in allen 23 Bezirken in Klubstärke vertreten. 62 Bezirksrätinnen und –räte sowie fünf Gemeinderätinnen und –räte kämpfen seither für Transparenz und Reformen sowie gegen Steuergeldverschwendung und Korruption.

Die Neuauflage von Rot-Grün war natürlich alles andere als eine Erneuerung für Wien. Ganz nach dem Motto: „Ist ja nichts passiert? Geht halt so weiter wie bisher?“ Genau das aber ist das Problem.

Wien sitzt am absteigenden Ast und zwar wegen einer Stadtregierung, die das Geld anderer Leute mit beiden Händen zum Fenster raus schmeißt und damit wichtige Steuererleichterungen oder echte Investitionen in die Zukunft verhindert. Die Arbeitslosenzahl explodiert, die Schulden ebenso. Es schaut also schlecht aus für den linken Fiskalkurs, der Wachstum und Beschäftigung verspricht, im Wesentlichen aber nur Wort hält, wenn es darum geht die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auszupressen.

Arbeitsplätze wachsen nicht auf Bäumen und schon gar nicht in Versorgungsbiotopen. Anstatt Bildung und Innovation anzukurbeln und mehr Freiheit und Einsatz zu fördern, bekommen zahllose mehr oder weniger parteinahe Vereine gießkannenartig Förderungen, die in die Millionen gehen.

Die Stadtpolitik ist wie die Titanic, die mit voller Kraft Kurs auf den Eisberg genommen hat. Die Stadträtinnen und –räte (auch die nicht-amtsführenden von FPÖ und ÖVP) vergnügen sich einstweilen beim Captain´s Dinner, wo es immer viel Spritzwein gibt und man sich den Bauch noch so richtig vollschlagen kann.

Wie zum Beispiel mit zusätzlichen Fördergeldern in Millionenhöhe für die Parteiakademien. NEOS hat als einzige (!) Partei diese neue Förderung abgelehnt und nimmt sie auch nicht an. Die FPÖ, die sich immer als Anti-Establishment-Kraft geriert, greift hier natürlich ordentlich zu. Nach außen gibt man sich als einfache Volksvertreter, aber eigentlich feiert man lieber champagnisierend im noblen Palais Ferstel.

Wir haben natürlich viel gelernt in diesem Jahr:

  1. Alles ist noch schlimmer als gedacht: die Intransparenz ist größer, die Kontrollmöglichkeiten kleiner, die Verschleierungs- und Vertuschungspraktiken der Stadtregierung perfektioniert. Wo es krankt und hapert, verteilt man Maulkörbe, übt Druck aus oder versucht sich öffentliche Meinung zu kaufen durch millionenschwere eigene Gratismedien, die frei Haus in jeden Haushalt kommen. In Hochglanz und Jubel. Jedem Stadtrat sein Foto!
  2. Freiheit ist kein Wort des Wienerischen Amtsdeutsch. Wo der Amtsschimmel wiehert und Bürokratie blüht, wird es eng für die Bürgerinnen und Bürger die in den Weiten des Magistrats schon mal die Nerven verlieren können. Oder die jeden Tag erneut sehen, dass manche gleicher sind als andere in der Stadt – speziell wenn man im Dunstkreis der SPÖ ist.
  3. Die SPÖ plakatiert zwar Gerechtigkeit, damit will man aber vor allem die Moralkeule schwingen und Feindbilder erzeugen. Fair ist die Stadtpolitik nämlich nicht. Weder den arbeitenden und steuerzahlenden Menschen gegenüber, noch den Familien, die rund ums Krisenmanagement der Stadt bei den Alt-Wien-Kindergärten völlig verzweifelt waren, noch dem Pflegepersonal und den Ärztinnen und Ärzten des KAV gegenüber und schon gar nicht der nächsten Generation gegenüber, die für das alles einmal zahlen wird. Und die dann wohl auch drastischere Leistungsreduktionen in Kauf wird nehmen müssen als das jetzt noch beim Captain´s Dinner den Anschein macht.
  4. Schaut man in die altbekannten Gesichter der Stadtregierung oder der Gemeinderätinnen und –räte, so sieht man auch nicht viel Mut zur Innovation. Weil: „das haben wir immer schon so gemacht.“ Mutig ist allein die Verbissenheit mit der die Grünen gnadenlos Radwege und Parkpickerl gegen den Willen der Bevölkerung durchdrücken. Dagegen ist nicht apodiktisch etwas einzuwenden. Allein der biedermeierhafte Ansatz und die Tatsache, dass die Grünen einmal angetreten sind um genau gegen dieses System SPÖ Wien vorzugehen und das vollends aufgegeben haben, enttäuschen doch massiv.

NEOS wird weiter den Finger in die Wunden legen, gegen das System struktureller Korruption und Freunderlwirtschaft auftreten, Steuergeldverschwendung anprangern und entschlossen für Transparenz eintreten. Warum? Weil das System in Wien nicht fair ist. Weil es die Luft zum Atmen nimmt. Weil mit so einer Politik unsere Zukunft und die unserer Kinder verschleudert wird. Weil wir neue und mutige Ansätze brauchen in der Bildung, beim Wohnbau, in der Verwaltung, in der Gesundheitspolitik und vor allem auch bei der Integration, wo man jahrelang Probleme nicht offen angesprochen hat aus Angst vor den Blauen.

A propos Blaue: die lachen sich ins Fäustchen. So lange Häupl seinen Fiakerschmäh auspackt und alles vom Tisch wischt, was Bürgerinnen und Bürger als Problem ansprechen, so lange wird die FPÖ stärker. Wir aber auch.

Burkini. Vollverschleierung. Zu knappe Röcke. Zu viel Entblößung. Was jetzt?

Die Fotos französischer Polizisten am Strand, die eine Burkiniträgerin anhielten (aufweckten), damit diese ihren Burkini lüfte, gingen gestern um die Welt.

GeraCqRWcjlWEAArczqde vor ein paar Tagen bin ich auf Twitter auf ein Bild aus den 20er Jahren gestoßen. Auf dem Bild vermisst ein Herr in langen Hosen und Hut die Badebekleidung einer Dame in Bezug auf die Länge der Bedeckung der Beine. Der Zeit ihre Sitten. Der Zeit ihre Moral.

Zwischen diesen Fotos liegen nicht einmal 100 Jahre. Die Bekleidung der Frau beim Baden war wohl immer wesentliche Verhandlungsmasse für kulturelle Gepflogenheiten oder Moralvorstellungen. Nachzusehen auch im Kunsthistorischen Museum bei der nackten Susanna.

Aber es geht nicht bloß um Badebekleidung, sondern um Bekleidung der Frauen generell. Ich hab noch gut in Erinnerung, wie eine AHS-Professorin, die eine gute Bekannte meiner Eltern war, bei einem Nachmittagskaffee mit Guglhupf sich darüber empörte, dass ihre Schülerinnen so leicht bekleidet in den Unterricht kommen würden. Und sich dann auch noch wundern würden, wenn….

Dieses Gespräch ist keine 100 jahre her, sondern vielmehr 15 oder 20.

Kommen wir also zur Burka, also der Vollverschleierung. Nie im Leben würde ich mich freiwillig so bekleiden. Eingeschränkte Sicht, eingeschränkte Freiheit, eingeschränkte Persönlichkeit. Ich will genauso wie alle anderen, als Mensch, mit meiner Haut, meinem Haar und meinem Gesicht durch die Gegend laufen. Unverhüllt (auch unbestrumpft und unperückt), wenn ich es will, weil ich es will.

Stört es mich, wenn ich eine Burkaträgerin in Wien sehe? Ehrlicherweise muss ich mit Ja und Nein antworten. Aus zwei Gründen: erstens sehe ich aus feministischer Sicht nicht ein, warum sie eine Kleidervorschrift zu befolgen hat. Aber das muss mich ja nichts angehen. Zweitens ist es unangenehm, das Gesicht, die Gesichtszüge, die Mimik und damit auch die Emotion des Gegenübers nicht zu sehen. Ich mag auch Faschingsmasken nicht besonders: eine Reihe von scary movies laufen in meinem Kopf bei deren bloßen Anblick ab. Aber ich muss mit den Personen ja nicht sprechen.

Soll man es deshalb verbieten? Nein. Meine Freiheit wird dadurch nicht eingeschränkt. Ob etwas mein Gefallen findet oder nicht sollte nicht darüber ausschlaggebend sein, Freiheiten durch Verbote einzuschränken. Wer sich durch eine Burka oder einen Burkini in seinen Werten bedroht fühle, der sei daran erinnert, dass unsere Gesellschaft vor allem auf den Werten einer aufgeklärten, humanistischen, toleranten und offenen Gesellschaft beruht. Tolerare heißt „Ertragen“ oder „Erdulden“, nicht „gut Heißen“.

Aber: In öffentlichen Kontexten wie Schulen, Krankenhäusern, Gerichten hat die Vollverschleierung nichts verloren. Da geht es darum, sein Gegenüber zu sehen, seine Mimik zu erkennen und einschätzen zu können. In einer Bank ist eine Burka aus verständlichen Gründen ebenso schwierig. (Sturmhauben sind noch schwieriger). Im täglichen Geschäftsverkehr wird eine Voll-Verschleierung wohl als unüblich eingestuft werden und sollte dann eben nicht toleriert werden müssen.

Arabische Touristinnen in Zell am See würde ich bei dieser Diskussion übrigens nur bedingt als Argument gegen ein Verbot anführen: Es ist zwar ein pragmatisches Argument, aber im Kern geht es darum, unsere Werte hochzuhalten, wenn man sich gegen ein Verbot ausspricht – unabhängig vom ökonomischen Nutzen. Die jedoch, die an der Stelle anführen, dass ich im Iran ja auch nicht im Bikini rumlaufen könne, verleugnen diese, unsere Werte ebenso:  Der Iran ist eben keine humanistische, offene Gesellschaft.

Aber ich verlange von der offenen Gesellschaft auch, dass ich äußern kann, dass eine Burka bei uns glücklicherweise nicht üblich ist und gar als abwehrend oder irritierend wahrgenommen werden kann. In Zeiten von islamistischen Terroranschlägen möglicherweise auch als beängstigend. Die eigenen kulturellen Gepflogenheiten (so sie keine Freiheiten von anderen einschränken) und die eigenen Emotionen sollte niemand verleugnen müssen. Dann nämlich wird politische Correctness zur inneren Qual. Mehr Selbstbewusstsein wär da nicht fehl am Platz.

Ist die Burka eigentlich das größte Problem, das wir haben? Nein, bestimmt nicht. Die ganz offensichtliche Identitätskrise, in der wir stecken, aber schon. Und interessant: vehandelt wird das immer über die Frauen.

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