Die Schule brennt!

Wie geht’s der Bildung in Wien? Um diese Frage zu beantworten, braucht man sich nur die nackten Zahlen anschauen. Dabei wird mir ehrlich gesagt mulmig. 30%, fast ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, erreichen die Bildungsziele in Mathematik nicht. Haben die Eltern nur einen Pflichtschulabschluss, sind es sogar 57%. So schlecht ist kein anderes Bundesland. Jedes vierte Kind kann am Ende der Pflichtschule nicht sinnerfassend lesen. Es gibt in Wien keine vereinzelten Brennpunktschulen mehr. Wir haben einen bildungspolitischen Flächenbrand. Vom Kindergarten über die Volksschule bis zur NMS hat Wien durch die Bank das schlechteste Betreuungsverhältnis in ganz Österreich. Auf einen Schulsozialarbeiter kommen fast 3.200 Schüler.

So viel zu den Fakten. Was bedeuten diese katastrophalen Zahlen für uns alle? Bildung ist kein Schönwetterthema, sondern die Frage, an der sich die Zukunft Wiens entscheidet. Wenn de facto ein Drittel der Kinder nicht rechnen, ein Viertel nicht lesen kann – dann haben wir keine Chance mehr, die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, dann verlieren wir fix den Wettbewerb der innovativsten Wirtschaftsstandorte dann werden wir bei der Integration scheitern und setzen den sozialen Zusammenhalt in dieser Stadt aufs Spiel.

Die schlechte Nachricht: Ohne Bildungswende wird keine Maßnahme für den Standort, für den Arbeitsmarkt oder für die Integration greifen.

Auf der anderen Seite die gute Nachricht: Wir haben mit der Bildung den Hebel in der Hand, um die Stadt wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Und das geht so:

Vom Kindergarten zum Bildungsgarten. Lippenbekenntnisse über den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung bringen niemandem etwas. In Wiener Kindergärten kommt auf 17 Kinder eine Betreuungsperson. Ich will mehr Personal im Kindergarten, sonst müssen wir sprachliche- und Lerndefizite später viel teurer wieder ausgleichen.

Parteibücher raus aus den Schulen. Wir haben in Wien eine Stadtschulratspräsidentin, die von sich sagt „Ich bin Politikerin und keine Expertin“. Eine Institution, die hauptsächlich dazu da ist, für die Direktorenbestellung nach Parteicouleur zu sorgen, braucht kein Mensch.

Vielfalt statt Einfalt. Es macht doch bitteschön einen Unterschied, ob wir von einer Schule in Favoriten oder in Simmering sprechen. Gerade bei der Diskussion um Sprachförderklassen denke ich mir – wieso soll hier „one size fits all“ die richtige Lösung sein? Wenn in einer Klasse zwei Kinder mit nicht deutscher Muttersprache sitzen, brauche ich sicher keine eigene Sprachförderklasse. Das schaut schon anders aus, wenn es fünfzehn fremdsprachige Kinder gibt. Lasst doch bitte die Schulen entscheiden.

Abschluss für jedes Kind. Ohne mit der Wimper zu zucken lassen wir jedes Jahr Kinder aus dem Schulsystem, die die Mindeststandards im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht erfüllen. Wir schicken diese Menschen quasi direkt zum AMS und die Stadt nimmt das billigend in Kauf. Wir brauchen ein gemeinsames Bildungsziel für alle, das im Alter von 15 Jahren erfüllt werden muss.

Chancenbonus für sozial benachteiligte Kinder. Mehr als die Hälfte der Schulen gelten schon als Brennpunktschulen. Und die Tendenz zeigt: Wenn wir diese Schulen einfach sich selbst überlassen, werden sie in Zukunft noch weiter abrutschen. Aber Bildungsghettos sind der sichere Weg in den Abgrund. Subjektfinanzierung hieße, dass jede Schule pro Schüler und Schülerin Geld bekommt. Für Schüler aus einem bildungsfernen Umfeld (zum Beispiel wenn die Eltern nur Pflichtschulabschluss haben) soll die Schule auch entsprechend mehr Geld bekommen. Geld für speziell ausgebildetes Personal wie Sozialarbeiter_innen oder Schulpsycholog_innen, die dringend notwendig sind, um die Abwärtsspirale zu stoppen.

Mehr Geld. Die strukturellen Probleme in der Bildung zu beheben ist das eine. Das ist notwendig, wird aber Zeit brauchen. Aber wenn das Haus brennt, wie an Wiens Schulen, muss man zuerst einmal das Feuer löschen. Dazu braucht es schlicht und einfach mehr Geld. Die Mittel wären da, man muss nur die richtigen Prioritäten setzen. Mit unserem Plan sparen wir 120 Millionen Euro im fetten Politik-Apparat und haben 1.000 für jeden Pflichtschüler mehr im Jahr. 120 Millionen Euro – das ist ein Laptop für jedes Kind, Sozialarbeiter an jeder Schule oder zusätzliches administratives Personal, damit sich Lehrer wirklich um den Unterricht kümmern können.

Jeder kennt die Probleme, aber niemand geht sie an. Deswegen will ich Bürgermeisterin dieser Stadt werden – wenn nicht bei dieser Wahl, dann bei der nächsten. Weil alle anderen nur schweigen und zuschauen, wie den Jungen die Zukunft wegschmilzt. Weil ein Bürgermeister Häupl für die Schulen nichts tut, außer öffentlich seine Gratis-Nachhilfe abzufeiern, die bildungspolitisch reine Symptombekämpfung ist und wohl viel mehr der Querfinanzierung der maroden Wiener Volkshochschulen dient. Und weil ein Bürgermeister Strache für die Schulen in Wien keinen anderen Plan hat, als die Kinder nach ihrem Reisepass getrennt zu unterrichten. Genau deswegen will ich Bürgermeisterin werden, weil ich eine Vision habe, was ich in dieser Stadt verändern will.

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