Mit großer Zuversicht in einen Neustart-Herbst

Der Corona-Cluster in St. Wolfgang zeigte es deutlich: Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Wir brauchen eine Strategie, wie wir mit dieser Pandemie umgehen – vor allem, wenn der Herbst mit der Grippe-Zeit in Österreich Einzug halten wird. Die Konsequenzen, die die Regierenden aus St. Wolfgang gezogen haben, waren eine bundesweite Maskenpflicht in Supermärkten und die Ankündigung einer Corona-Ampel, wobei immer noch nicht klar ist, was es denn heißt, wenn die Farbe der Ampel umspringen sollte.

Ist das schon alles? Wird so das Vertrauen in die Regierenden gefestigt, dass sie die Krise schon im Griff haben? Und vor allem: Was wird im Herbst passieren? Können wir es uns dann noch leisten, dass Testergebnisse oft viele Tage lang dauern, bis sie vorliegen? Können wir es uns dann noch leisten, dass Pädagoginnen und Pädagogen keine Ahnung haben, was mit einem schnupfenden Kind zu geschehen hat? Können wir es uns dann noch leisten, dass Unternehmerinnen und Unternehmer zunehmend an ihre Grenzen stoßen, weil das, was sie bisher vor allem erhalten haben, Steuerstundungen und Kreditmoratorien waren – die fehlende Liquidität aber das gesündeste Unternehmen zunehmend in die Knie zwingt?

Der Lockdown im März hatte unter anderem auch einen Zweck: Zeit zu gewinnen, um zu lernen – und die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Was war gescheit? Was hat funktioniert? Und was weniger? Und genau hier hat die Regierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es ist jetzt 5 vor 12 – die Regierung ist in der Verantwortung, einen zweiten kompletten Lockdown zu verhindern. Dafür braucht es aber mehr als eine Maskenpflicht in Supermärkten. Dafür braucht es einen Plan für einen echten Neustart im Herbst – ein Neustart, der die viel beschworene Balance zwischen Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft endlich herstellt.

Testen ist ein Kernbereich dieses Neustarts – und Testergebnisse müssen aber auch innerhalb von 24 Stunden ausgewertet werden. Ein Ampel-System mit klar definierten Maßnahmen im Falle eines Umspringens der Farbe muss ebenso eingeführt werden, wie – endlich – klare Regeln im Bildungsbereich. Pädagoginnen und Pädagogen brauchen Unterstützung im Umgang mit möglichen Verdachtsfällen, sie dürfen nicht länger allein gelassen werden. Großflächige Schulschließungen wie zuletzt in Oberösterreich gesehen, dürfen nicht noch einmal passieren. Kein gesundes Unternehmen und damit kein Arbeitsplatz darf zurückgelassen werden – Maßnahmen zur Stärkung der Liquidität wie die rasche Umsetzung und idealerweise Ausweitung des Verlustrücktrags müssen endlich möglich sein. Und zuletzt: Eine Rückkehr zum Stand vor Corona ist illusorisch. Investieren wir in die Zukunft, in den Bildungsbereich, in die Forschung, in den Bereich Digitalisierung und nicht zuletzt den Klimaschutz.

Nutzen wir die letzten Sommerwochen und widmen uns endlich mit großer Zuversicht einem Neustart-Herbst.

Mein Gastbeitrag aus der Wiener Zeitung.