Witzeln über die Bundespräsidentenwahl?

Derzeit ist es ja leicht und verlockend über die Bundespräsidentenwahl respektive die Kandidatenfindung zu witzeln. Ich tu es selbst, über vieles hab ich auch selbst gelacht oder kann nur wirklich beipflichten. So frage ich mich nicht erst seit dem Antritt von Seniorenbundpräsident Andreas Khol, ob nicht droht, wovor die Agenda Austria in Bezug auf eine dringend nötige Pensionsreform gewarnt hat, nämlich eine Gerontokratie.

Die Kandidatenfindung geriet bisweilen tatsächlich zu einer Schmierenkomödie. Da wird wochenlang spekuliert, dann ist es fix, dann doch alles anders und dann „Na gut, dann halt er“, wie es die Gebrüder Moped festgestellt haben.

Aber auch die „Überparteilichkeit“ des an sich sehr respektablen Alexander van der Bellen zieht die Backenmuskulatur nach oben. Insbesondere, da der Verein zur Unterstützung der überparteilichen Kandidatur aus Lothar Lockl (9 Jahre lang Kommunikationschef der Grünen und auch Bundesparteisekretär), Nives Sardi (Leitung Kommunikation der Grünen Bundespartei) und Robert Luschik (Klubdirektor der Grünen im Parlament) besteht. Und wenn es kein allzu großes Risiko darstellte, würde auch HC Strache wohl selbst auch diese Wahl als Spitzenkandidat für die FPÖ bestreiten.

Witzeln ist aber eigentlich unangebracht. Denn, so sehr ich mich leidenschaftlich gerne an Diskursen über die verfassungsrechtliche schwache oder bipolare Konstruktion der Funktion des österreichischen Bundespräsidenten beteilige, so sehr glaube ich an die führende moralische und politische Rolle des Bundespräsidenten/der Bundespräsidentin (der ersten?) in unserer Republik. Und diese Rolle wird bei der nächsten Tour umso wichtiger.

Wir stehen vor dem Ende der Rot-Schwarzen Mehrheit. Zeit wird es. Ein Ende des Rot-Schwarzen Machtkartells, mit dem wohl kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird. Dies mit ruhiger Hand, visionärem Blick, Liebe zur Zukunft des Landes und politischem Geschick zu begleiten, wird eine fordernde Aufgabe für den nächsten Bundespräsidenten. Nicht nur Zutat zu dem schwer bekömmlichen Mahl ist die volatile wie auch kritische Situation des gemeinsamen Europas und Österreichs angesichts der Flüchtlingsströme und der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit samt steigender Arbeitslosigkeit. Die Frage der Angelobung eines blauen Bundeskanzlers HC Strache ist dabei nur die zugespitzteste einer Reihe von Fragen, für die es klare Worte eines Präsidenten brauchen wird. Vielleicht war es noch nie so wichtig, wer in dieser Funktion vereidigt wird. Dass es niemand des herrschenden politischen Establishments ist, wäre sehr wünschenswert.

 

 

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