Wiener Wahl(rechts)spielereien: granteln oder auszucken?

„Grantler“ ist ein schöner Ausdruck. Bayrisch-österreichisch. Grantig ist auch eine typische Gemütszuschreibung für Wiener Kellner. Granteln passt zu Wien. Eine mürrische Grundhaltung zu haben ist wohl das mindeste, wenn sich Pessimismus mit Zynik in einem Veltlinerglas paart und der Zentralfriedhof nicht weit ist. Ich gestehe, ich hab ja ein Faible dafür.

Michael Häupl grantelt auch. „Ein Wahlrecht brauchen wir dann, wenn Wahlen stattfinden.“ Befand der Bürgermeister heute nach dem „Ultimatum“ der Grünen. Ist auch Maria Vassilakou grantig? Immerhin kennt der Bürgermeister den Wahltermin, verrät ihn aber nicht. „Soll ich sagen? Ich sag niiiichts!“ kommt mir da in den Sinn. Das war der Clown Enrico in der Kindersendung Am-Dam-Des. Vassilakou kündigt nun „weitreichende Konsequenzen“ an. Da darf man gespannt sein. Erinnert mich jedenfalls an die letztlich leeren Drohungen, die man als Elternteil ausspricht, wenn die Kinder 17 mal am Abend aus dem Bett tanzen, man aber eigentlich doch ständig mit ihnen kuscheln statt streiten will.

Kinder kommen mir auch an anderer Stelle in den Sinn: Das Spiel um das Wahlrecht – oder besser darum, wer hier in der Außenwahrnehmung den Punkt macht – aber auch das Spekulationsspielchen mit dem Wahltermin sind Spiele von Grantler-Kindern.

Nun hat ja der Grantler einen gewissen Charme. Darauf baut Häupl wohl. Die Frage ist, wie Recht der Grantler in seinem Grant hat und wieweit seine Zuhörer den Grant ertragen ohne selbst auszuzucken.

Hat Häupl also Recht? Brauchen wir ein Wahlrecht dann, wenn Wahlen sind? Seit wann diskutieren wir das Wahlrecht schon? Seit dem Notariatsakt, der ein Ende der Bevorzugung großer Parteien bei der Mandatsverteilung versprochen hat? Nachdem klar war, dass die Bestimmungen (unter anderem) hinsichtlich der Briefwahl verfassungswidrig sind?

2011 wurde im Nationalrat das Wahlrecht auf Bundesebene novelliert. Und in Wien? Nichts! Jahre lang – nichts! Wer hat hier das Recht zu granteln? Der, der nichts weitergebracht hat oder die Bürger, die diesem grantige-Kinder-Spiel zuschauen müssen?

Und die Grünen? Die versuchen bis zum Schluss ein Debakel (nämlich zugunsten von Machterhalt das demokratische Gewissen zu opfern) als Sieg zu verkaufen. Durch Takteleien, Vorpreschen, Ablenken und Zündeln. Zündeln bis die Hütte lichterloh brennt. Die Hütte ist aber leider nicht nur die Rot-Grüne Koalition, sondern wieder einmal die Demokratie als Ganzes.

Man steht daneben und denkt sich: Was soll das? Was soll diese Stadtregierung bitteschön jetzt noch weiterbringen? (Außer dem Songcontest – klassische Abstauberpolitik).

Schluß jetzt! Ein (Neu-)Wahltermin wäre dringend nötig.  Aber den Termin verrät uns der Bürgermeister ja nicht. Das ist wirklich Politik von vorgestern und jedenfalls so abgehoben, dass man ratlos ist. Oder grantig. Eigentlich müsst man aber auszucken.

Ein Kommentar zu “Wiener Wahl(rechts)spielereien: granteln oder auszucken?

  1. Treffend formuliert und trotzdem bleibt die Befürchtung, dass sich typisch österreichisch (und wienerisch) daran kaum jemand (WählerIn) stößt. Demokratiepolitisch ist beides – also ein unverhältnismäßiges Wahlrecht und ein Wahltermin, den nur eine Partei kennt – ein Bankrotterklärung. Helfen wird’s eher den politischen Rabauken.

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