Die einzige Frau und die rot-grüne Empörung

Seit heute bin ich die einzige Frau im NEOS Parlamentsklub. Das ist nicht gut. Das ist eigentlich unter aller Sau.

Es ist so, weil Angelika Mlinar nach Brüssel ins Europäische Parlament gewechselt ist und Sepp Schellhorn heute als neuer NEOS Mandatar angelobt wurde. Ich finde es großartig, dass Sepp nun endlich im Nationalrat ist. Er wird uns großartig bereichern.

Aber halt: einzige Frau…

Was können wir tun? Nix. Warum? Weil unsere Listen, nach denen sich auch das Vor- und Nachrücken ins Mandat orientiert, vor einem Jahr eingereicht wurden. Die Frage ist also: warum haben wir so wenige Frauen auf den Listen?

Dazu muss man ausholen: Ende des Winters 2013 haben wir dazu aufgerufen(intern UND extern), dass Menschen, die die Werte und Anliegen von NEOS teilen, für NEOS kandidieren und sich unseren Vorwahlen stellen können. Unserem Aufruf sind zu etwa 80% Männer gefolgt, nur wenige Frauen.

Die Frauen, die kandidiert haben, haben überproportional gut in der Vorwahl abgeschnitten. In Wien, Tirol und Kärnten standen Frauen an der Spitze der Liste. Aber es waren zu wenige Frauen.

Um hier einen Schub zu geben und mehr Frauen zu motivieren, haben viele NEOS Akteure, darunter ich, mit vielen Frauen aktiv das Gespräch gesucht. NEOS hat auch ein Inserat im Online Standard geschaltet, in dem wir dezidiert nach „Nationalratsabgeordneten weiblich“ gesucht haben. Auch eine Podiumsdiskussion genau zu dem Thema sollte die Recruiting-Werbetrommel rühren.

Das hat nur bedingt funktioniert, verständlich vielleicht aus zwei Gründen:

  1. Niemand (außer Matthias Strolz ;-)) hätte Ende des Winters 2013 auch nur einen Euro darauf verwettet, dass NEOS die Sensation gelingt und in den Nationalrat einzieht.
  2. Da kommen wir zu einem wesentlichen Kern – viele Personen, die sich bei uns engagieren sind rund zwischen 30 und 45 Jahre alt. Die Rush-Hour des Lebens. Viele stehen voll im Beruf und haben Kinder. Und viele Frauen sagen dann: „Hu, nein sorry! Bin ja nicht wahnsinnig und tu mir das an! Ich muss ohnehin schon Job; Familie und Haushalt unter einen Hut bringen und kenne das Wort Freizeit nur noch aus dem Wörterbuch!“.

Doppel, Dreifachbelastungen sind der Alltag für viele Frauen dieses Alters.

Interessant in dem Zusammenhang, dass sich heute eine grün-rote Meute auf twitter über unseren niedrigen Frauenanteil ergeht und dabei stichelt, dass ich nicht zum Thema Breitband-Ausbau gesprochen hätte im Plenum, das wohl ein Männerthema bei uns sei. Von anderer Seite wurde moniert, dass nun als nunmehr einzige Frau im Klub wohl ALLE Themen bei mir landen werden. Wunderbar! Sounds like a real plan! Wir machen die schlechte Frauenquote jetzt dadurch wett, dass ich einfach alles an mich reiße und Expertin ganz schnell in eh allem werde. Delegieren haben Frauen ja sowieso schon nie können, jetzt kann ich es auch praktisch beweisen. Wie verquer ist das denn bitte?

Und noch was: Der Tweet der Kollegin Windbüchler von den Grünen heute morgen „#Parlament #neos Nur mehr eine Frau in den Reihen ihrer Abgeordneten übrig – und sie ist für Frauen- und Kulturpolitik zuständig. #Rollen“ ist völlig jenseitig (abgesehen vom wohl beabsichtigten #nonmention). Staune immer noch über die Untergriffigkeit, denn sie müsste wissen, dass ich auch für Justiz, Konsumentenschutz und Familien zuständig, zudem Vorsitzende des Kulturausschusses, Vizeparteichefin und Wiener Landeschefin bin. Mit dem Blumenstrauß an verantwortungsvollen Aufgaben spiele ich die Frage nach den Rollen von Seiten der echauffierten Grünen zurück und frage, warum man welche Aufgaben herauspickt besonders betont? Ich danke ihr aber, dass sie meinen Konter retweetet hat. Deute dies als ein Zeichen der Zustimmung zur Kritik am Tweet.

Die rot-grünen Empörer_innen hätten jedenfalls gerne Frauenquoten bei den NEOS. Sehr schön. Wir wollen mehr Frauen bei NEOS und setzen Maßnahmen. Die Ergebnisse sind da: Eine Frau an der Spitze bei der EU-Wahl, zwei Frauen an der Spitze bei der Vorarlberg-Wahl, 4 von 9 Landessprecher_innen weiblich, im gewählten Wiener Landesvorstand sind 4 von 7 Frauen. Und auch bei der Wienwahl wird wohl nicht nur eine Frau an der Spitze stehen, sondern auch bedeutend viele bedeutende Frauen auf der Liste sein.

Vielleicht, ja vielleicht, geht es den rot-grünen Empörer_innen doch eher um parteipolitisches Kleingeld als um die Sache. Aber das ist selbstverständlich bloß eine Vermutung….

 

 

Addendum: Im Europäischen Parlament haben wir einen 100% Frauenanteil, bei den Mitgliedern des Salzburger Stadtregierung ebenfalls.

3 Kommentare zu “Die einzige Frau und die rot-grüne Empörung

  1. „Im Europäischen Parlament haben wir einen 100% Frauenanteil“ Unübertrefflich!

  2. Ist doch den Text nicht wert, diese „rotgrüne Aufregung“. Ich finde es klüger, sich mit den eigenen Themen und AnhängerInnen auseinanderzusetzen als mit dem politischen Mitbewerb, der einem damit doch nur Zeit und Aufmerksamkeit stehlen will. Bei JournalistInnen ist das was anderes, die repräsentieren (oder geben es zumindest vor) die Öffentlichkeit.
    Aber vielleicht dient der Text zu öffentlichen Selbstreflexion, dann macht es für mich wieder Sinn.

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